Stell dir vor, du blickst von den rostigen Ebenen des Mars auf und siehst einen gezackten, kartoffelähnlichen Mond, der über den Himmel rast – Phobos, der zum Untergang verurteilte Wächter des Roten Planeten. Benannt nach dem griechischen Gott der Angst (passenderweise, da sein Bruder Deimos Panik bedeutet), ist diese ramponierte kleine Welt kein gewöhnlicher Mond. Ob gefangener Asteroid oder uraltes Überbleibsel – Wissenschaftler debattieren noch über seine Ursprünge – aber eines ist sicher: Phobos rast auf eine katastrophale Kollision zu. Dieses atemberaubende HiRISE-Farbporträt vom NASA Mars Reconnaissance Orbiter zeigt Phobos als einen stark kraterübersäten, asteroidähnlichen Felsen, der über Milliarden von Jahren von gewaltsamen Einschlägen durchlöchert wurde. Das scharfe Auge des Raumfahrzeugs kann Merkmale von nur 10 Metern Größe auflösen und verwandelt diesen 22 Kilometer breiten Mond in eine markante, andereweltliche Landschaft, die über dem Mars schwebt. Was Phobos' Schicksal besiegelt, ist seine gefährlich nahe Umlaufbahn – nur etwa 5.800 Kilometer über der Marsoberfläche (im Vergleich zu den gemächlichen 400.000 km unserer eigenen Monddistanz). Gezeitenkräfte von dem Planeten darunter ziehen unermüdlich an ihm, ziehen den Mond mit einer Geschwindigkeit von etwa 1,8 Metern pro Jahrhundert nach innen. Die Uhr tickt. In etwa 30–50 Millionen Jahren wird Phobos so nah spiralen, dass die gravitativen Spannungen ihn auseinanderreißen. Die Fragmente werden nicht verschwinden – sie werden sich in ein dramatisches, staubiges Ringsystem ausbreiten, das den Mars umgibt, ähnlich wie die ikonischen Ringe des Saturn, aber geboren aus dem gewaltsamen Tod seines innersten Mondes. Für den Moment jedoch zieht Phobos in nur 7,6 Stunden über den Mars-Himmel, aufgeht im Westen und untergeht im Osten, und erscheint größer als unser eigener Mond von der Erde aus. Es ist ein flüchtiges kosmisches Spektakel: ein zerfallenes Relikt, das dazu verurteilt ist, morgen zu werden. Zukünftige Erforscher auf dem Mars könnten nach oben schauen und nicht einen Mond, sondern einen schimmernden Halo aus Trümmern sehen – das letzte Denkmal für Phobos, den Mond, den die Angst nicht retten konnte. (Diese atemberaubenden Ansichten – von HiRISE-Nahaufnahmen bis hin zu dramatischen Mars Express-Aufnahmen – fangen Phobos' unheimliche, kraterverkraterte Schönheit ein, die über dem Roten Planeten schwebt.)