Der Mars verliert seine Atmosphäre in die Leere – langsam, unermüdlich – während der unbarmherzige Sonnenwind an einem zerbrechlichen, geisterhaften magnetischen Schild zerrt, das kaum am Roten Planeten haftet. Im Gegensatz zur robusten, einheimischen Magnetosphäre der Erde hat der Mars keine. Stattdessen verlässt er sich auf eine fragile induzierte Magnetosphäre, die aus der Wechselwirkung zwischen der oberen Atmosphäre des Planeten und dem Sturm geladener Teilchen der Sonne entsteht. Diese ätherische Blase ist alles, was zwischen dem Mars und dem totalen atmosphärischen Verlust steht. Dank jahrzehntelanger wachsamer Augen von ESAs Mars Express (über das ASPERA-3-Instrument) und NASAs MAVEN-Orbiter haben Wissenschaftler eine dramatische Wendung entdeckt: Wenn die magnetischen Feldlinien des Sonnenwinds eng mit dem einströmenden Protonenfluss ausgerichtet sind (eine Konfiguration mit kleinem Kegelwinkel), schwächt sich diese induzierte Magnetosphäre nicht nur – sie degeneriert. Der Tagschock verschwindet. Nur schwache Flankenschocks bleiben. Die schützende Blase kollabiert und lässt die obere Atmosphäre brutal ungeschützt. Atmosphärische Ionen werden effizienter abgerissen, was den langen, langsamen Todeskampf des Planeten beschleunigt, von einer einst wärmeren, feuchteren, potenziell bewohnbaren Welt in die kalte, dünnluftige Wüste, die wir heute kennen. Ein atemberaubendes neues Puzzlestück, wie der Mars seine Ozeane und seine Chancen auf Leben, wie wir es verstehen, verloren hat. Forschungsarbeit Qi Zhang et al., „Die induzierte Magnetosphäre des Mars kann degenerieren“, Nature (2024) doi:10.1038/s41586-024-07959-zDas Universum ist grausam – selbst seine magnetischen Flüstern können einen Planeten verraten.