Die Gaia-Raumsonde hat etwas Außergewöhnliches in unserem kosmischen Hinterhof enthüllt: ein zartes spiralförmiges Muster, das in die Auf- und Abbewegungen von Sternen in der Nähe der Sonne eingraviert ist, das als Phasen-Spirale (oder manchmal als "Gaia-Schnecke") bezeichnet wird. Anstatt friedlich in einer ruhigen, stabilen Scheibe zu treiben, schwanken Sterne sowohl über als auch unter der galaktischen Ebene gemeinsam in kohärenten, wellenartigen Oszillationen – wie Wellen, die sich noch ausbreiten, nachdem ein Stein in einen Teich gefallen ist. Die führende Erklärung? Diese Struktur ist die gravitative Narbe eines dramatischen jüngsten Ereignisses: die Durchdringung der Sagittarius-Zwerggalaxie durch die Scheibe der Milchstraße, höchstwahrscheinlich innerhalb der letzten paar hundert Millionen Jahre. Warum das aufregend ist, geht weit über ein hübsches Muster hinaus: Es beweist, dass die Milchstraße dynamisch jung ist – weit entfernt von einem ruhenden, alten Relikt – und weiterhin empfindlich auf äußere gravitative Einflüsse reagiert. Die Phasen-Spirale fungiert wie eine kosmische Uhr und ein Maßband: Astronomen nutzen ihre Form, Wickelrate und Amplitude, um den Zeitpunkt der Begegnung zu bestimmen, die Masse des eindringenden Zwergs zu schätzen und zu verfolgen, wie schnell sich die galaktische Scheibe nach einer solchen Störung "heilt". Diese Erkenntnisse schärfen unsere Modelle zur Erwärmung der Scheibe, zur Verteilung der dunklen Materie und zur gesamten Verschmelzungsgeschichte der Milchstraße. Im Wesentlichen sind die subtilen vertikalen Wackelbewegungen gewöhnlicher Sterne in der Sonnenumgebung zu einem fossilen Rekord geworden – sie erfassen Echos einer der bedeutendsten jüngsten Interaktionen in der fortlaufenden Geschichte unserer Galaxie. (Quelle: Europäische Weltraumorganisation / Gaia-Mission; Studien veröffentlicht in Nature, The Astrophysical Journal, Astronomy & Astrophysics und MNRAS)