Merkur, der schnelle innerste Planet, ist in einer seltenen 3:2 Spin-Orbit-Resonanz mit der Sonne gefangen: Er dreht sich genau dreimal um seine Achse für jede zwei Umläufe um unseren Stern. Diese eigenartige Kopplung – kombiniert mit Merkurs hochgradig exzentrischer (verlängerter) Umlaufbahn – schafft einen der seltsamsten "Tage" im Sonnensystem. Ein voller Sonnentag auf Merkur – von einem Sonnenaufgang bis zum nächsten – erstreckt sich über etwa 176 Erdtage, mehr als doppelt so lange wie sein orbitales Jahr von ungefähr 88 Erdtagen. In der Zwischenzeit beträgt die siderische Rotationsperiode des Planeten (eine Drehung relativ zu den Sternen) etwa 59 Erdtage. Die Resonanz entsteht durch die starken Gezeitenkräfte der Sonne, die auf Merkurs nicht-sphärische Form und seinen exzentrischen Pfad wirken, der seine Entfernung zur Sonne dramatisch variiert. Diese Gezeiten haben über Milliarden von Jahren Rotationsenergie dissipiert, bis der Planet in diesem stabilen 3:2 "Lock" festgelegt wurde, anstatt der häufigeren 1:1 synchronen Rotation, die bei vielen Monden zu sehen ist. Dieser bizarre Rhythmus prägt die Oberflächenumgebung von Merkur tiefgreifend. Während des verlängerten Tageslichts (bis zu 88 Erdtagen am Stück an einigen Orten) verbrennt die Sonne das Terrain auf glühende Höchstwerte von über 430 °C (etwa 800 °F). Dann stürzen ebenso lange Nächte die Temperaturen unter −170 °C (−280 °F), was zu gewalttätiger thermischer Ausdehnung und Kontraktion führt, die Felsen zerbricht und die langfristige Geologie beeinflusst. Der extreme Tag-Nacht-Zyklus beeinflusst auch flüchtige Substanzen, die es ihnen ermöglichen, über die Oberfläche zu migrieren. Bemerkenswerterweise beherbergt Merkur trotz seiner Nähe zur Sonne Wasser-Eis – gefangen in dauerhaft beschatteten Kratern in der Nähe der Pole, wo Sonnenlicht aufgrund der nahezu null Achsenneigung des Planeten niemals erreicht. Daten von NASAs MESSENGER-Mission (die von 2011 bis 2015 im Orbit war) bestätigten helle radarreflektierende Ablagerungen als Wasser-Eis, oft unter einer dunklen isolierenden Schicht in etwas wärmeren Stellen begraben, mit reinem freiliegendem Eis in den kältesten Regionen. Diese Erkenntnisse zeigen, wie orbitaldynamische und gezeitenbedingte Lockung flüchtige Stoffe selbst auf den heißesten Gesteinswelten bewahren kann. Merkurs 3:2 Resonanz verbindet somit seine orbitalen Mechaniken, extremes Klima, Oberflächenchemie und unerwartete Hinweise auf Bewohnbarkeit – und bietet wertvolle Lektionen für das Verständnis naher Gesteins-Exoplaneten um andere Sterne, von denen viele ähnlichen resonanten Zuständen und wilden Temperaturschwankungen ausgesetzt sein könnten. Quellen: NASA (einschließlich Daten der MESSENGER-Mission), Wikipedia planetarische Fakten, wissenschaftliche Literatur in Nature Geoscience und Icarus.