Um die Wende des 18. Jahrhunderts explodierte die Mathematik mit neuen Ideen. Der Calculus war gerade erfunden worden. Guillaume de l’Hôpital war ein wohlhabender französischer Adliger, der leidenschaftlich für Mathematik brannte, aber nicht gerade ein Genie war. Er stellte einen der hellsten jungen Mathematiker seiner Zeit, Johann Bernoulli, als persönlichen Tutor ein. Bernoulli war so talentiert, dass L’Hôpital ihm ein unglaubliches Angebot machte: ein Jahresgehalt von 300 Francs im Austausch für jede neue Entdeckung, die er machte. Ja, L’Hôpital kaufte Theoreme. Immer wenn Bernoulli etwas Neues fand, schickte er es an seinen Arbeitgeber. Im Jahr 1696 veröffentlichte L’Hôpital das erste Calculus-Lehrbuch, Analyse des Infiniment Petits. Es führte die berühmte Regel von L’Hôpital ein, wie man mit unbestimmten Grenzwerten wie 0/0 umgeht. Aber hier ist die Wendung: Die Regel und ein großer Teil des Buches wurden tatsächlich von Bernoulli geschrieben. Nach L’Hôpital's Tod enthüllte Bernoulli die Wahrheit und zeigte die Briefe, die die Vereinbarung belegten. Dennoch blieb L’Hôpital's Name an der Regel haften – eine Erinnerung daran, dass manchmal in der Wissenschaft Geld Ruhm kauft. Heute lernt jeder Calculus-Student die Regel von L’Hôpital, auch wenn der wahre Autor Johann Bernoulli war.