Das ist einfach nur Dritte-Welt-Denken: Ohne eine grundlegend bürgerliche Gesellschaft und bürgerliche Normen gibt es keinen sicheren, gemeinsamen Raum, der nicht privat ist. Die amerikanische Oberschicht lebt wie die brasilianische Oberschicht: Sie erkennen es nur nicht.
Will Manidis
Will Manidis2. Dez. 2025
Der rasante Anstieg von "Privatclubs" in New York ist ein interessantes Phänomen, das man beobachten sollte. Diese Clubs sind in keinem wirklichen Sinne "privat"; sie existieren einfach, um Normen durchzusetzen (nicht über andere hören, keine Fotos von anderen machen, keine Kämpfe), die gesellschaftlich durchgesetzt wurden, aber nicht mehr.
Exhibit #1 in der amerikanischen Brasilien-These: Welche Stadt zieht jetzt jede flüchtende, wohlhabende Person nach der Liquidität an, die auch ausdrücklich und unverblümt nach den Lebensstilnormen der oberen Klasse in Lateinamerika modelliert ist? Miami, natürlich.
In Miami bist du entweder wohlhabend und lebst in einem Hochhaus mit allen Annehmlichkeiten, sodass du nie das Haus verlassen musst: Fitnessstudio, Pool, Sonnendeck, Hundeauslauf, Spielzimmer für Kinder, Türsteher, der alle Lieferungen entgegennimmt. Oder du bist wirklich wohlhabend und lebst in einer ummauerten Villa.
Es gibt wenig oder keine Euro-ähnliche Urbanität mit gemeinsamen Parks, ordentlichen Straßencafés oder gemeinsamen Dienstleistungen wie Bibliotheken und Schulen. Und die, die existieren, sind stark überwacht (in Miami wie in Lateinamerika parken die Polizisten ihre Autos neben Gemeinschaftsbereichen mit eingeschaltetem Blaulicht, um ihre Präsenz zu signalisieren). Man sieht die Außenwelt aus einem chauffierten Fahrzeug (oft gepanzert), das einen zwischen privaten Räumen transportiert.
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