Zur Sache. Die keynesianische Blindheit von Wall Street gegenüber Trumps angebotsseitiger Revolution. Wall Street hat die Geschichte falsch verstanden. Die USA wachsen um 4 Prozent, angetrieben von einem Investitionsboom und einem expliziten Versuch, die produktive Basis des Landes wieder aufzubauen. Dennoch behandelt die dominante Erzählung dies weiterhin als einen müden, späten Zyklusanstieg, der dazu bestimmt ist, in einer Rezession und einem schwächeren Dollar zu enden. Deshalb strömt das Geld in Versorgungsunternehmen und Grundnahrungsmittel mit dem 50-fachen Gewinn, während KI und Software wahllos abgestoßen werden. Was die Investoren übersehen haben, ist das Trump–Bessent-Projekt: produktives Kapital, Bankenregulierung und angebotsseitige Wirtschaftspolitik zu nutzen, um starkes, nicht inflationäres Wachstum zu erzielen. Das ist kein weiteres zuckerhaltiges Konjunkturprogramm. Es ist ein Versuch, das potenzielle Output zu erhöhen und die Struktur der Wirtschaft zu verändern. Schaut man sich die Positionierung an, ist das Urteil offensichtlich. Der Ansturm auf Gold, die historische Untergewichtung des Dollars, die umfassende Ablehnung von KI-gebundenen Aktien – all dies drückt die gleiche Ansicht aus: Trump und Bessent werden scheitern. Die Märkte verhalten sich so, als ob die einzigen möglichen Ergebnisse Inflation, Krise oder beides sind. So läuft es, wenn eine Branche, die intellektuell von Demokraten und Keynesianern dominiert wird, immer wieder auf dasselbe nachfrageseitige Handbuch zurückgreift. Der Hype um KI und die Turbulenzen unter Trump haben die Investoren zweifellos erschöpft. Aber Müdigkeit ist kein Rahmen. Die eigentliche Frage ist jetzt, ob Wall Street ihren reflexhaften Keynesianismus lange genug aufgeben kann, um zu erkennen, dass dies der Beginn einer neuen angebotsseitigen Ära sein könnte, nicht der klassische späte Zyklushandel.